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 Dr. Carl Klinkhammer, Kaplan an St. Johann am Karlsplatz in Altenessen, von 1931 - 33

  

St. Johann feiert 2012 das 150-jährige Bestehen der Gemeinde. Sie wurde 1862 als Filialgemeinde von St. Gertrud in Essen gegründet. Es gab schon bald ein reges Pfarrleben mit vielen Vereinen.              

Aus Anlass des Jubiläums soll an den Ruhrkaplan Dr.Carl Klinkhammer erinnert werden.

Die Kirche St. Johann am Karlsplatz im Jahr 2010

Die Kirche St. Johann am Karlsplatz im Jahr 2010                                                                                   

Dr. Carl Klinkhammer wurde mit 29 Jahren als Kaplan an die Johanneskirche in Essen berufen.  Irrtümlich hatte er sich in der Gemeinde St. Johann in Altenessen vorgestellt. Aber nun war er da und verstand sich sofort mit dem Pfarrer Dr. Kreutzer. Das Erzbistum Köln war einverstanden damit, dass er in dieser Pfarrei blieb.

Klinkhammer war Deutsch- und Französischlehrer an einem Gymnasium in Opladen. Der Wechsel konnte nicht abrupter sein. Aus einer mittelgroßen, bürgerlichen Stadt kam er in eine Großstadtpfarrei nach Essen.   St. Johann hatte 1931 ca. 14000 „Seelen“, es waren fast alles Bergarbeiterfamilien. Sie galt als die „schwierigste“ Gemeinde im Erzbistum Köln.

 Altenessen war eine schnell gewachsene Industriegemeinde mit sechs großen Schachtanlagen, Bergmanns-Siedlungen, Privathäusern, Hinterhöfen, freien Flächen und Gärten. Straßen und viele Eisenbahnlinien durchschnitten den Stadtteil und verhinderten eine sinnvolle Stadtentwicklung.

Viele Bergleute waren arbeitslos und sehr empfänglich für die radikalen Parolen dieser Zeit.Stärkste Partei in Altenessen waren die Kommunisten. Erst an zweiter Stelle kam das Zentrum.Carl Klinkhammer hatte sich schon sehr früh mit der „Roten“ und „Braunen“ Ideologie auseinandergesetzt und Stellung bezogen.

Im Juni 1932 gab es in Essen 92 000 Arbeitslose. Als Kaplan in einer Arbeiterpfarrei galt seine Solidarität auch den kommunistischen Arbeitern, deren Zentrum „die rote Heßlerstraße in Altenessen“ war. Er besuchte sie, hielt Kontakt zu ihnen, diskutierte und hörte sich ihre Probleme an.

Den Kindern erteilte er in einer freien Schule Religionsunterricht, versammelte ihre Eltern und feierte mit ihnen am Heiligabend eine Weihnachtsfeier, bevor er zur Christmette in die Pfarrkirche ging. Viele Zusammenkünfte mit den „Roten“ fanden in einer Holzbaracke an der Ecke Heßler - Emschersraße statt. Heute steht dort die Kirche Herz Mariä. Klinkhammer hatte sich schon damals für eine Kirche an dieser Stelle eingesetzt und auch Geld dafür gespendet.

Durch seine Arbeit geriet er bald in Gegensatz zum Bürgertum und den Unternehmern, die in ihm den „Roten Ruhrkaplan“ sahen. Der Seelsorger Carl Klinkhammer zeigte, dass die Katholische Soziallehre die Solidarität mit allen Menschen fordert und auch konkrete Hilfe leisten soll. In Altenessen konnten viele Arbeiter wegen der hohen Arbeitslosigkeit ihre Familien kaum noch ernähren. Er half mit der Einrichtung einer „Trinkhalle“ in der man sich mit Lebensmitteln billig versorgen konnte. Als die Polizei eine kommunistische Protestversammlung auf dem Karlsplatz mit Gummiknüppeln auseinander treiben wollte, kam Carl Klinkhammer dazu und sorgte für eine Entspannung. Er forderte die Leute auf, sich auf seine Kosten in der nahe gelegenen Bäckerei Brötchen zu holen. In der Presse stand am nächsten Tag: „Die wunderbare Brotvermehrung hat auf den Straßen von Altenessen stattgefunden“. Die wunderbare Brotvermehrung war auch das Evangelium vom folgenden Sonntag. Mit seiner Haltung hat er viele Arbeiter der Kirche wieder näher gebracht.

Bei aller Solidarität mit den Arbeitern lehnte Klinkhammer den atheistischen Bolschewismus und Kommunismus konsequent ab. In einer Rede am 1. Mai 1932 im Städtischen Saalbau bezog er klar Stellung gegen die Gottlosigkeit dieser politischen Entwicklung und erregte großes Aufsehen. Klinkhammer hatte recht früh den Nationalsozialismus als eine „säkularisierte Heilslehre“ entlarvt.  Hitlers „Mein Kampf“ war für ihn bereits ab 1930 zur „Pflichtlektüre“ geworden. Der Kölner Kardinal Schulte war erstaunt, dass der junge Kaplan so etwas gelesen hatte. Er forderte ihn auf, die Punkte aufzuzeigen, die mit der christlichen Lehre nicht vereinbar waren. Es waren ein abgrundtiefer fanatischer Rassismus und Hass gegen das Judentum und auch gegen das Christentum. Das ist von vielen Zeitzeugen so nicht erkannt worden. Ab 1932 wies er in seinen Sonntagspredigten in der Kirche auf die Gefahr durch dieses NS-Gedankengut hin und bezeichnete es als modernes „Neuheidentum“. Er wurde zu vielen abendlichen Vorträgen eingeladen, zuerst in Essen, dann im ganzen Ruhrgebiet und sogar bis nach Oberschlesien. Neben diesen Vortragstätigkeiten verstärkte er aber auch seine Arbeit als Seelsorger in  St. Johann. Die männliche Jugend bereitete er auf die Erfordernisse der Zeit und die Zukunft vor.

Der Machtantritt Hitlers am 30. Januar 1933 brachte das Ende der Weimarer Republik. Dem Reichstagsbrand vom 27.2.1933 folgten die Neuwahlen vom 5. März 1933, bei denen die NSDAP 43,9 % der Stimmen erringt. Mit dem Ermächtigungsgesetz vom 23. März 1933 befreit sich Hitler von der Verfassung und jeder parlamentarischen Kontrolle. Carl Klinkammer war bereits 1932 als erfolgreicher Redner bei Zentrumsveranstaltungen aufgetreten. Im März 1933 sprach er in Hattingen zum Thema „Deutsche Wiedergeburt“ .Das war eine kritische Auseinandersetzung mit den neuen Machthabern. Diese Aktivitäten blieben natürlich nicht verborgen. Er wurde überwacht und bespitzelt. Vom Regierungs-präsidenten in Arnsberg wurde sogar ein Redeverbot für Klinkhammer gefordert.

Am 12.April 1933 hatte Klinkhammer in der überfüllten Hedwigskirche in Altenessen eine Fastenpredigt gehalten. Wie immer hatte er auch diesmal politische Gedanken eingefügt. Hintergrund war, dass der 33-jährige Essener Gauleiter Terboven die Druckerei der „Essener Volkszeitung“ von SA-Leuten besetzten liess und sie gezwungen hatte, eine Rede Görings zur Kommunalwahl abzudrucken. Das hatte Klinkhammer scharf kritisiert und es sollte für ihn auch Folgen haben.

Hitlers Geburtstag am 20.April 1933 wurde in Essen mit Festreden, mit Verleihung der Ehrenbürgerwürde und einer „Adolf-Hitler-Straße“ groß gefeiert. Auf dem Burgplatz fand eine offizielle Veranstaltung aller NS-Gruppen statt. Für 18 Uhr war eine Abendandacht in St. Johann vorgesehen. Stadtdechant Dr. Kreutzer hatte dazu eingeladen. Die Ansprache hatte er seinem Kaplan Dr. Klinkhammer überlassen, der sich schon in den Sonntagsmessen vorher vor jeweils 3000 Besuchern mit Aspekten der NS-Ideologie auseinandergesetzt und sie christlichen Grundsätzen gegenüber gestellt hatte. Er schien also der richtige Mann zu sein! Klinkhammer bezog sich auf zehn Punkte der Rede Hitlers vor dem Reichstag am 23. März und verglich sie mit der Christlichen Lehre. Eine Gemeinsamkeit war nicht gegeben. Für seine scharfen, präzisen Formulierungen bekam er spontanen Beifall. Für die Anhänger Hitlers, die auch zahlreich bei dieser Andacht vertreten waren und die eine „Fest-Lobrede“ erwartet hatten, war das eine Bloßstellung und Verspottung des Reichskanzlers.

Am Freitag, den 1. April 1933, war in der Kirche die Generalprobe mit 293 Kindern für die Erstkommunion am Sonntag. Der Pfarrer und seine vier Kapläne waren dabei, als plötzlich SA- und SS-Leute durch einen Seiteneingang hereinkamen, die Probe unterbrachen und Klinkhammer verhafteten. Die Kinder wurden nach Hause geschickt. Die Verhaftung Klinkhammers verbreitete sich sofort in Altenessen und sorgte für große Unruhe. Er wurde ins Polizeigefängnis gebracht. Es war offensichtlich ein Racheakt der SA und SS auf die „Gratulationsrede“. Ein richterlicher Haftbefehl lag nicht vor.
Carl Klinkhammer war der erste Katholische Geistliche in Deutschland, der in „Schutzhaft“ genommen wurde. In der Folge kamen Redeverbot, Aufenthaltsverbot für Essen und viele Gerichtsverfahren dazu.
Es ist später in einem Schreiben bestätigt worden, dass diese erste Verhaftung auf Veranlassung des Gauleiters Terboven erfolgt war. Die Justiz war von der SA und SS übergangen worden.

Carl Klinkhammer blieb bei seinem Widerstand gegen die NS-Ideologie. Er hat mit viel Glück die NS-Zeit und den Kriegseinsatz als Sanitätssoldat überlebt. Er war später als Seelsorger in Bonn und als „Bunkerpastor“ in Düsseldorf-Heerdt tätig. Er ist am 22. Januar 1903 in Aachen geboren worden und starb am 8. Januar 1997 in Düsseldorf. Er war fast 94 Jahre alt

In vielen Gesprächen nach dem Krieg machte er deutlich, dass er sehr unglücklich über die Rolle der katholischen Bischöfe im Widerstand gegen Hitler war!

Zur Erinnerung an Carl Klinkhammer ist an seinem 100. Geburtstag in St. Johann diese Gedenktafel enthüllt worden.

Von Bruno Kamman ist 1997 im Klartext-Verlag Essen eine Biographie über Carl Klinkhammer erschienen. Sie gibt einen guten Einblick in die politischen und sozialen Verhältnisse der 30er Jahre in Altenessen. 

 

16.06.2012 Günter Napierala,
Altenessener Geschichtskreis

 

 

 

„Helfende Hände“ beim Aufbau von St. Anno: Rolf Dieter Koch 

  

Schon 1939 vor dem Krieg  wurde überlegt, in der Siedlung der Schachtanlage Helene eine Kirche zu bauen. Diese Siedlung war für die drei Kirchengemeinden St. Nikolaus in StoppenbergSt. Hedwig und Herz Jesu in Altenessen ein Randgebiet. Die Seelsorge war dort war deshalb sehr schwierig. Erst nach dem Krieg konnte weiter geplant werden. 1958 gründete Dechant Bollig von St. Nikolaus ein „Aufbauwerk“ für eine neue Kirche. Als Bauplatz wurde das als „Spitzbubenbüschken“ bekannte Grundstück erworben. Im Krieg war an dieser Stelle eine Flakstellung gewesen. In diesem Teil Stoppenbergs sind ab 1970 viele neue Wohnungen gebaut worden: Einfamilienhäuser an der „Arendahls Wiese“, eine große Wohnsiedlung der Genossenschaft  E-Nord am Arendahls Hang und Hochhäuser der Essener Allbau am Nothofs Busch. Es zogen immer mehr junge Familien in diesen neuen „Stoppenberger Stadtteil“. 

 

Rolf Dieter Koch

1967 beauftragte Bischof Franz Hengsbach Kaplan Schröder mit dem Aufbau des Seelsorgebezirks. In den Anfangszeiten gab es viele Probleme. Es mussten viele Verhandlungen geführt und die Finanzierung gesichert werden. In dieser Zeit hatte sich besonders 

Rolf Dieter Koch vom Kirchenvorstand St. Nikolaus engagiert. Durch seine intensive Mitarbeit konnte die Finanzierung für die ersten Baumaßnahmen gesichert werden 1970 -71 wurde das Wohnhaus für Kaplan Schröder und die Küsterfamilie Krieg gebaut, 1969 begannen die Planungen für den Kindergarten, 1971 konnten die ersten Kinder aufgenommen werden Im gleichen Jahr wurde auch eine Baracke erworben und als erstes „Haus am Weg“ aufgebaut Bei allen Baumaßnahmen hat Rolf Dieter Koch seine beruflichen Kenntnisse genutzt.

 

 

 

Für seine Verdienste beim Aufbau der Gemeinde St. Anno wurde ihm am 6. Februar 1972 der Orden „Helfende Hände“ verliehen. Vor ihm hatte ihn nur noch Wilhelm Lüke, Vorsitzender der Wohnungsge-nossenschaft Essen-Nord bekommen. Er ist von einem Juwelier in Kevelaer angefertigt worden.

Für seine Verdienste beim Aufbau der Gemeinde St. Anno wurde Rolf Dieter Koch am 6. Februar 1972 der Orden „Helfende Hände“ verliehen.

Der Großvater Hermann Koch kam aus Brandenburg und wurde Förster auf Zollverein. Die Familie wurde schnell in Essen heimisch. Rolf Dieter Koch ist 1927 geboren. Als Schüler wurde er mit 17 Jahren 1944 als Flakhelfer am Spitzbubenbüschken eingesetzt. Nach der Schule begann er 1948 eine kaufmännische Ausbildung bei der Bergbaugesellschaft Viktoria Mathias. Nach Studium und Weiterbildung wurde er bald in verantwortlichen Stellungen eingesetzt. Er wurde Prokurist und gestaltete über einen langen Zeitraum das Rechnungswesen der Firma maßgeblich mit.

Er arbeitete in vielen Gremien der Katholischen Kirche engagiert mit: im Kirchenvorstand von St. Nikolaus, im Kuratorium des Vincenz - Krankenhauses, im Kirchensteuerrat des Bistums Essen, als Vorsitzender der Schulpflegschaft des Gymnasiums am Stoppenberg und in vielen anderen Gremien. Auf Vorschlag des Bischofs von Essen verlieh ihm 1979 Papst Johannes Paul den Orden des Heiligen Silvester. 1982 ist er zum Vorsitzenden des Katholikenauschusses in Essen gewählt worden.

Mit St. Anno war er besonders verbunden. Der Aufbau einer neuen Gemeinde erinnerte ihn an seine Flakhelfertätigkeit an diesem Ort. Auf der Urkunde vom 19. März 1977 im Grundstein von St. Anno ist auch seine Unterschrift. Rolf Dieter Koch ist am 3. Februar 1983 ganz plötzlich verstorben  In vielen Anzeigen ist sein Wirken gewürdigt worden. Er ist auf dem Pfarrfriedhof am Stoppenberg begraben.

Heute gibt es St. Anno nicht mehr. Im Zuge von Reformen im Bistum Essen ist die Gemeinde am 16. März 2008 aufgelöst worden. Bei der letzten Messe in der Kirche hat keiner mehr an die vielen Helfer beim Aufbau gedacht und Danke gesagt. Die Stadt Essen hat im März 2008 im Neubaugebiet an der Essener Straße zwei neue Straßen nach Rolf Dieter Koch und Dechant Bollig benannt und damit ihre Arbeit in Stoppenberg gewürdigt.

 

Mein Dank gilt Frau Koch, die mir an zwei langen Vormittagen viel über Ihren Mann erzählt und Einblick in ihre Unterlagen gestattet hat.

 

16.07.2012 Günter Napierala,
Altenessener Geschichtskreis

 

Geheimer Bergrat Emil Krabler,
Generaldirektor des Kölner Bergwerks-Vereins in Altenessen

Der Bergbau ist in Altenessen längst Vergangenheit. Nur Straßennahmen und einige Bergbaugebäude erinnern noch daran. Dazu gehört auch die Krablerstraße, die an der Altenessener beginnt und über die Gladbecker bis zur Hafenstraße in Vogelheim verläuft.

Emil Krabler hat die Entwicklung der Gemeinde Altenessen maßgeblich mit beeinflusst.
Er wurde am 21.1.1839 als Sohn eines Fabrikdirektors in Crossen an der Oder geboren,  studierte an der Bergakademie in Berlin und war dann kurz im Staatsdienst tätig.

Der Kölner Bergwerksverein hatte schon sehr früh an der geplanten Köln-Mindener-Eisenbahn im Raum Altenessen und Vogelheim Abbaurechte für Kohle erworben. 1845 begannen die Abteufarbeiten auf Zeche Anna, 1855 auf Zeche Carl. 1868 wurde Emil Krabler Grubendirektor des Kölner Bergwerkvereins in Altenessen.  Er hatte sich sehr intensiv für die Erschließung der Kohlefelder im Emscherbereich eingesetzt. Unter seiner Leitung  begannen 1873 die Abteufarbeiten der Schächte Emscher 1 und 2,1900 kam Schacht Emscher 3 dazu. Es waren die ersten Schachtanlagen im Revier mit  einem eisernen Schachtgerüst. 1876 konnte aus diesem Grubenfeld die erste Kohle gefördert werden. 1886 wurde Emil Krabler Generaldirektor des Kölner Bergwerkvereins, im gleichen Jahr ist auch die Hauptverwaltung der Gesellschaft von Köln nach Altenessen verlegt worden.

Emil Krabler

Krabler hat bei allen seinen Entscheidungen vordergründig die Interessen der Unternehmer vertreten. Beim ersten großen Bergarbeiterstreik 1889 hat er als führender Arbeitgebervertreter alles getan, um einen Zusammenschluss der Arbeiter in Gewerkschaften zu verhindern und hat bei allen Streiks die berechtigten Forderungen der Bergleute entschieden bekämpft, so dass sie ergebnislos geblieben sind. Krabler hat den Arbeitern kein eigenständiges Handeln zugebilligt.

Er wirkte 1890 /1893 bei der Gründung des Kohlensyndikats mit, um die Wirtschaftsmacht der Bergbaugesellschaften zu sichern. Mit Hilfsmaßnahmen wie der Bau von Arbeiterwohnungen an der „Wildstraße“ in Vogelheim, die Gründung einer „Familienkasse“ für die ärztliche Versorgung der Bergarbeiterfamilien und die Errichtung einer Konsumanstalt, sollten die Bergleute an die Zeche gebunden werden, vor allem dienten sie dem Wohle des Unternehmens und waren nicht der Ausdruck eines neuen sozialen Denkens.

Als Mitglied der national-liberalen Partei hatte Krabler viele Jahre einen Sitz im Kreistag Essen, er war von 1871 bis 1907 Mitglied der Bürgermeisterversammlung Altenessen.  Dort hat er die Interessen der Bergbaugesellschaften bedingungslos vertreten. Die Entwicklung der Gemeinde ist durch den ungeordneten Siedlungsbau und durch die willkürlich errichteten Grubenanschlussbahnen erheblich beeinträchtigt worden. Bürgermeister Stankeit beklagte, dass es der Gemeindeverwaltung harte Kämpfe gekostet hat, um wenigstens die ärgsten Probleme zu beseitigen. Am 1.4.1914  gehörten 63,4 % der Gemeindefläche großen Gesellschaften wie Krupp, Hoesch u. a., wobei der Anteil der Kölner-Bergwerksgesellschaft allein 23,6 % betrug. Das Land wurde auch aufgekauft, um keine Entschädigungen bei Bodensenkungen zahlen zu müssen. Für die Entwicklung der Gemeinde Altenessen war das ein entscheidendes Hindernis, es blieben kaum Flächen für die notwendige Infrastruktur wie Straßen, Schulen oder andere öffentliche Einrichtungen übrig.

Emil Krabler war in vielen anderen Organisationen der Wirtschaft tätig: unter anderem in der Leitung des „Dampfkessel-Überwachungs-Vereins“, einem Vorläufer des TÜV und bei der „Knappschaftsgenossenschaft“, die alle Zechen des Reiches umfasste.  Für seine Verdienste wurde ihm 1901 der Titel „Geheimer Bergrat“ verliehen. Krabler starb am 24.Oktober 1909. Er war 71 Jahre alt.  Die Berg- und Hüttenmännische Zeitschrift „Glück Auf“  brachte am 24.10.1909 eine Würdigung seines Lebens.

1900 wurde beschlossen, östlich der Emscherschächte eine neue Doppelschachtanlage zu bauen. 1903 begannen die Abteufarbeiten. Zu Ehren von Emil Krabler bekamen die Schächte den Namen Emil 1 / 2. Die Anlage lag an der späteren Gladbecker Straße. Zur gleichen Zeit ist auch eine Kokerei gebaut worden.1935 sind die Emscherschächte und Emil 1/2 zur Verbundanlage Emil / Emscher zusammengefasst worden. Im Zuge der Kohlenkrise wurde 1975 die Anlage stillgelegt. Alle Gebäude sind bis auf wenige Reste abgebrochen worden.

Zeche Emil Emscher

1984 haben die Klassen 2b und 4b der Stadthafenschule mit der Schrift „Zeche Emscher und die Wildstraße“ die Geschichte einer alten Bergarbeitersiedlung und ihrer Zeche aufgeschrieben. Sie haben dazu Bewohner der Wildstraße befragt. Damit haben sie echte Heimatgeschichte aus der Zeit von Emil Krabler erkundet. Diese Schrift kann in der Stadtbücherei in der Luisenschule ausgeliehen werden.
 
07.03.2013   Günter Napierala  // Altenessener Geschichtskreis

 

 

Das Grabdenkmal für den Sanitätsrat Dr. Theodor Pielsticker auf dem Nordfriedhof in Altenessen.

Wer den Friedhof am Nebeneingang hinter der Zeche Carl betritt, kommt nach wenigen Metern rechts auf dem Weg zu einem auffällig großen Grabstein aus schwarzem Granit.

Die Inschrift lautet:
Sanitätsrat Doktor Theodor Pielsticker, * 26. October 1842, + 22. November 1900, Gewidmet von seinen Mitbürgern".
Darüber ist eine Reliefplatte aus Bronze mit seinem Bildnis eingearbeitet. Ein kleines Schild weist darauf hin, dass dies ein Ehrengrab der Stadt Essen ist.

Wer war Theodor Pielsticker? Im Stadtarchiv gibt es eine Akte zu diesem Denkmal mit einem Nachruf des Gemeinderates Altenessen vom 23. November 1900:

Nachruf

Gestern verschied nach schwerem Leiden unser treuer Mitbürger und Beigeordneter

Herr Sanitätsrat Dr.Theodor Pielsticker,

Mitglied des Kreistages, des Kreisausschusses und der Bürgermeisterei und Gemeinde-vertretung .Trauernd steht die gesamte Bürgerschaft an der Bahre eines edlen Mannes, dessen arbeitsreiches Leben den Kranken und Armen in hohem Maße gewidmet war.

Durch seinen biederen Charakter, seine Herzensgüte und Menschenfreundlichkeit hat er sich die Liebe und Verehrung der Bürgerschaft über das Grab hinaus gesichert. Auf allen Gebieten des Gemeinwohls war er ein rastloser Helfer und Förderer und manche kommunale Einrichtung verdankt ihm ihr Entstehen.

Theodor Pielsticker wurde am 26. Oktober 1842 in der Nähe von Meschede geboren und starb am 22. November 1900 in Bochum. Nach seinem Studium war er von 1867 bis zu seinem Tod als Arzt in Altenessen tätig. Es war die Zeit, in der Altenessen von einem kleinen Dorf mit wenigen Einwohnern schnell zu einer großen Bergbaugemeinde heranwuchs.

Arbeiter und ihre Familien hatten damals keinen Schutz durch Sozialversicherungen. Es gab keine Krankenkassen, die die Kosten für Behandlung und Medikamente übernahmen.

Menschen, die Hilfe brauchten, hat Dr. Pielsticker in seiner Praxis behandelt und oft auf Bezahlung verzichtet.

Als Mitglied des Gemeinderates hat er sich auch für die Belange der Gemeinde eingesetzt: für die neu gegründete Ortskrankenkasse, den Ärzteverein und viele andere Vereine in Altenessen und im Kreis Essen. Seine Freundlichkeit und Güte wurden gerühmt. Er bekam den Ehrentitel „Sanitätsrat" verliehen für seine erfolgreiche 20-jährige Praxisausübung in der Gemeinde Altenessen.

Nach seinem Tod wollte die Bürgerschaft seine Arbeit durch ein bleibendes Erinnerungszeichen würdigen. Und so kam der Gedanke auf, ihn durch ein Grabdenkmal zu ehren. Auf Einladung des Bürgermeisters Stankeit trafen sich am 14. November 1902 Personen aus Industrie, Verwaltung und Bürgerschaft und beschlossen, die Mittel durch eine Sammlung aufzubringen, die Gemeinde wollte sich mit einem Zuschuss beteiligen. Vier „Honoratioren" haben die Sammlung durchgeführt. Auf den heute noch erhaltenen Sammellisten sind viele bekannte Namen: z. B. spendete die Firma Van Eupen 50 Mark. Es waren aber auch kleine Beträge über 50 Pfg. oder 1 Mark dabei. Das Geld war recht schnell zusammen, so dass Anfragen für das Grabmal bei entsprechenden Firmen gemacht werden konnten. Die Firma „Selke Photosculpt" in Berlin stellte einen Entwurf vor, der nach einigen Änderungen auch ausgeführt wurde. Das Denkmal kostete einschließlich der Fracht von Berlin nach Essen 1683,60 Mark. Dazu kamen noch einige Kosten für die Aufstellung und Gestaltung des Grabes für Altenessener Firmen.

Am 29. November 1903, wenige Tage nach dem dritten Todestag, fand die Einweihungsfeier auf dem Altenessener Friedhof statt. In der Presse wurden die Bürger der Gemeinde eingeladen. Es kamen viele Vertreter der Organisationen, in der Dr. Pielsticker Mitglied war. Bürgermeister Stankeit wies noch einmal auf die Verdienste des Verstorbenen hin, die er sich besonders um die Armen und Bedrängten erworben hatte. Es wurden viele prachtvolle Kränze von der Bürgerschaft und den Vereinen niedergelegt.

Dr. Pielsticker hatte seine Wohnung / Praxis in dem Haus Essen-Horster-Straße 263, heute Altenessener Straße, schräg gegenüber dem Rathaus Altenessen. Das Grundstück ist heute leer. Dort beginnt neben der Berne der neue Berne - Radweg. Vorne an der Straße steht eine mächtige Kastanie mit ca. 1 m Stammdurchmesser. Sie ist bestimmt über 100 Jahre alt.

Am 9. Juli 1915 wurde in Altenessen - Süd, in der Nähe vom Rathaus, die Gertrudstraße in Pielstickerstraße umbenannt. Sie ist eine der wenigen Straßen, in der noch Häuser stehen, die im Krieg nicht zerstört worden sind.

11.03.2014 Günter Napierala

 

Als Zwangsarbeiter in Essen – Aus den „Erinnerungen" von Imo Moszkowicz

Im November 1939 wurde Ahlen in Westfalen zur „judenreinen" Stadt erklärt. Alle Juden wurden ausgewiesen, ihre Wohnungen beschlagnahmt. Nur Berlin und Essen nahmen sie noch auf. So kam die Familie Moszkowicz nach Essen. Imo war erst 13 Jahre alt.

Ihnen wurde zuerst eine ehem. jüdische Metzgerei an der Schützenbahn als Wohnung zu gewiesen. Sie sind aber nach kurzer Zeit zum Holbeckshof in das zentrale Judenlager nach Steele verlegt worden. Mit seinen beiden Brüdern zusammen wurde er für das RWE-Kraftwerk Karnap zur Zwangsarbeit verpflichtet. Zuerst waren sie Hilfsarbeiter bei Straßenbauarbeiten, dann im Kohlenbunker tätig. Die Arbeit war für die Jugendlichen viel zu schwer. Er erinnert sich: Es war staubig – dreckig – wir hatten ständig Hunger – die Schicht dauerte 12 Stunden – manchmal wochenlang ohne einen freien Tag – der Kohlenstaub saß fest auf der Haut und in den Haaren – wir hatten das Gefühl, dass wir bis zum Tode ausgenutzt werden sollten. Als auf Veranlassung eines Betriebsleiters die Schicht auf 8 Stunden in dieser „Hölle" gekürzt wurde, waren wir erleichtert.

 In dieser Zeit ist sein Bruder David denunziert worden: er hatte sich von einem „privilegierten Juden" zu einem Kinobesuch auf der Altenessener Straße überreden lassen. Das war Juden bei Strafe verboten. Die Platzanweiserin, die auch zeitweilig als Schaffnerin tätig war, erkannte ihn. Obwohl er sofort das Kino verließ, ist er noch am gleichen Abend von der SS verhaftet und nach Auschwitz gebracht worden. Als er auf der „Rampe" von einem SS-Mann angefasst worden ist, hat er diesen spontan geohrfeigt. Der hat ihn sofort mit seiner Pistole erschossen.

Am 21.4.1942 sind die Juden vom Holbecks Hof über Hbf Essen nach Auschwitz „verlegt" worden. Bis auf die arbeitsfähigen Männer wurden alle in den Gaskammern umgebracht, auch Imos Mutter und seine Schwestern. Die Männer hatten im „Buna-Werk" Zwangarbeit für die IG-Farben zu leisten. Als Anfang 1945 die Front näher rückte, wurden die Häftlinge in „Todesmärschen" gezwungen nach Westen zu marschieren. Dabei kamen sehr viele um. Er hat überlebt und ist in Reichenberg, 350 Km von Auschwitz von der Roten Armee befreit worden.

Imo Moszkowicz kehrt als „freier" Mann nach Ahlen zurück und bekommt eine Stelle bei der Stadtverwaltung. Er soll Bezugsscheine ausgeben für Sachen, die es nicht gibt. Als in Warendorf die „Junge Bühne" gegründet wird, macht er sofort begeistert mit. Er hatte schon bei „Buna" an den verordneten „Kulturabenden" sein schauspielerisches Talent entdeckt. 1947 bewirbt er sich bei Gustav Gründgens als Regieassistent und wird angenommen. Er bleibt neun Jahre dort. Am Berliner Schillertheater arbeitete er später mit Fritz Kortner zusammen.

Imo Moszkowicz hat als Regisseur bei über 100 Bühnenwerken und 200 Filmen für Kino und Fernsehen Regie geführt. – In Deutschland und vielen anderen Ländern – Er hat in den 50er Jahren die Filme mit Heinz Rühmann und Theo Lingen gedreht, in Essen am Stadttheater den „Sommernachtstraum" inszeniert. Er ist mit Ernst Schmidt durch Altenessen gewandert, hat die Stellen gesucht an die er sich erinnerte. Aber es gab sie nicht mehr. Er hätte auch gerne die kleine „Nazisse" gefragt, warum sie seinen Bruder denunziert hat. Bei seiner Arbeit in Argentinien hat er eine Frau kennen gelernt, sie haben geheiratet. Dass sie die Tochter eines hohen NS – Funktionärs war, hat er gewusst. Die Ehe hat ein ganzes Leben gehalten.

Er hat für seine Tätigkeit als Regisseur viele nationale und internationale Ehrungen bekommen: Das große Verdienstkreuz der Bundesrepublik und als besondere Auszeichnung: am 2. März 2006 wird er Ehrenbürger seiner Heimatstadt Ahlen. In seiner Dankesrede sagt er: er empfinde keinen Hass auf die Vergangenheit – er sei „Ahlener". Die Familie: Frau, Tochter, zwei Söhne, zwei Enkel und seine Schwiegertochter, die erfolgreiche deutsche Regisseurin Doris Dörrie waren dabei.

Imo Moszkowicz ist am 11.Januar 2011 mit 85 Jahren in Ottobrunn bei München gestorben.

Alle großen deutschen Tageszeitungen haben ihn gewürdigt Der „Spiegel" hat über ihn berichtet. Nur die WAZ hat sich mit einer ganz kleinen Notiz begnügt Ich habe eine E-Mail an die Redaktion geschickt – keine Antwort!

15.Oktober 2011 Günter Napierala

 

 

 

„ Wählt Thälmann “
Wahlwerbung von 1932 an zwei Häusern an der Röckenstraße in Katernberg

„Wählt Thälmann“ ist eine Aufschrift an zwei Hauswänden von Bergmannshäusern der Zeche Zollverein an der Röckenstraße in Katernberg–Beisen. Sie ist zur Zeit der Reichspräsidentenwahl von 1932 mit Teerfarbe auf das Ziegelmauerwerk aufgemalt worden. Die Teerfarbe ist tief in die Ziegelsteine eingedrungen und hat die Nazi-Zeit und die Nachkriegsjahre überstanden. In den 1980 er Jahren ist der Schriftzug durch eine Flugblattverteilerin der DKP zufällig entdeckt worden, nachdem die Sträucher vor den Häusern entfernt worden sind. Die Essener DKP-Gruppe stellte den Antrag, diese Inschrift unter Denkmalschutz zu stellen. In der Bezirksvertretung VI gab es eine lange, sehr heftige Diskussion um die Denkmalwürdigkeit dieser „Wahlwerbung“ als historisch schutzwürdiges Dokument. Alle Parteien waren dagegen, nur die Bürgerliste Nord stimmte dafür. Nach einem langen Prüfverfahren ist festgestellt worden, das die Inschrift  wirklich aus den 1930 -Jahren stammt und es sich nicht um ein in neuerer Zeit aufgemaltes Graffiti handelt. Das Rheinische Amt für Denkmalpflege hat diese Wahlwerbung ais ein seltenes Zeitdokument anerkannt.  2002 hat die Stadt Essen die Inschrift am Haus Röckenstraße 15 in die Denkmalliste aufgenommen. Sie gilt als Zeugnis für die kämpferischen Auseinandersetzungen der politischen und sozialen Verhältnisse um 1930 in den Zechensiedlungen in Katernberg, Stoppenberg und Altenessen. Die Aufschrift am Haus Röckenstraße 5 ist nicht mehr vorhanden, sie ist durch einen weißen Putz überstrichen worden.

 

 

Das Foto ist vom 10.Februar 2008

Die KPD hatte in den Gemeinden Altenessen, Stoppenberg, Katernberg und Kray bei allen Wahlen von 1919 und 1932 einen Stimmenanteil von 35 bis 40 % erzielt.  Im Segeroth waren es oft über 45 %. 1929 hatte die Arbeitslosigkeit in Deutschland einen Höchststand von 44 % erreicht. Es herrschte blanke Not, es fehlte das Geld, um die Lebensmittel für die tägliche Ernährung zu kaufen.  Die Wahlkämpfe in diesen Jahren waren immer von Unruhen begleitet. Die einzelnen Parteien hatten bewaffnete „Kampfgruppen“ gebildet, um ihre Versammlungen vor Angriffen zu schützen.  Es kam zu Kämpfen der Gruppen gegeneinander mit Verletzten und Toten. Der Staat griff auch ein: in Altenessen am Karlsplatz ist eine von der KPD veranstaltete Protestversammlung arbeitsloser Arbeiter von der Polizei mit Gummiknüppeln auseinandergetrieben worden.  Kaplan Carl Klinkhammer gelang es, die Situation etwas zu beruhigen, in dem er die Arbeiter aufforderte, sich in der Bäckerei am Karlsplatz auf seine Rechnung Brötchen zu kaufen.

 

 

Ernst Thälmann war von 1925 bis 1933 Vorsitzender der KPD in Deutschland. Er wurde am 16. April 1886 in Hamburg geboren. Die Eltern hatten ein kleines Geschäft mit Gemüse, Kohlen und einem Fuhrwerk. Er sagte später: ohne Lohn musste ich viele Jahre zu Hause mitschuften.  Es kam zum Streit in der Familie, deshalb zog er als 16-Jähriger aus und suchte eine Arbeit als „Ungelernter“ im Hafen. Später fuhr er als Heizer auf einem Frachter nach Amerika. In der Nähe von New York war er für eine kurze Zeit als Landarbeiter tätig. Nach der Rückkehr in Hamburg arbeitete er als Kutscher für eine Wäscherei. 1915 wurde er eingezogen, war Kanonier an der Westfront, wurde zweimal verwundet. Im Oktober 1918 kehrte er nach einem Heimaturlaub nicht mehr an die Front zurück.

Thälmann trat schon 1903 als 17-Jähriger der SPD bei. 1904 wurde er auch Mitglied beim Zentralverband der „Transportarbeiter“. Er unterstütze „Massenstreiks“ zur Durchsetzung politischer Forderungen der SPD. Nach dem Krieg war er am Aufbau des Arbeiter- und Soldatenrats in Hamburg beteiligt. Als sich 1916 die SPD spaltete und einen radikalen Flügel, die „USPD“ – die Unabhängige SPD, bildete, schloss er sich dieser Gruppe an. Daraus ist später die KPD entstanden. Thälmann war ein geschickter Agitator, unter seinem Einfluss traten in Hamburg 98 % der SPD-Mitglieder der KPD bei!

Thälmann stieg in der Parteihierarchie auf: er wurde Reichstagsabgeordneter, Vorsitzender des Rot-Front-Kämpferbundes und nach vielen innerparteilichen Auseinandersetzungen am 1. September 1925 zum Vorsitzenden der KPD gewählt. Er brachte die Partei auf einen strengen internationalen von Stalin beeinflussten Kurs. Bei den Reichspräsidenwahlen 1925 kandidierte er neben Hindenburg und Wilhelm Marx. Er bekam im zweiten Wahlgang 6,4 % der Stimmen. Man hatte ihm später vorgeworfen, seine Kandidatur habe das Stimmenverhältnis zwischen Hindenburg und Marx zugunsten Hindenburgs beeinflusst. Bei der Wahl 1932 kandidierten Hindenburg., Hitler und Thälmann. Gewählt wurde Hindenburg mit 53.1 % der Stimmen. Thälmann bekam 10,2 %.

Am 30. Januar 1933 wollte Thälmann die Machtübernahme der NSDAP mit einem Generalstreik stoppen. Doch dazu kam es nicht mehr. Am 3. März 1933 ist Thälmann in Berlin verhaftet worden. Nach vielen Verhören und Misshandlungen durch die Gestapo im Gerichtsgefängnis Hannover kam er später auch in Bautzen in Haft. Am 17. August 1944 wurde er in das KZ Buchenwald gebracht und auf Befehl Hitlers erschossen.

In der DDR ist Thälmann hoch geehrt worden. Straßen, Schulen, Siedlungen, Pioniergruppen und auch Industriebetriebe sind nach ihm benannt worden.
In Buckau bei Magdeburg hatte 1855 der Ingenieur Gruson eine Maschinenfabrik gegründet; die1893 von Krupp übernommen wurde. Ein wichtiger Geschäftszweig war der Kriegswaffenbau, bis zum Kriegsende 1945 sind dort Panzer gebaut worden.  Nach dem Krieg wurden die noch die vorhandenen Maschinen demontiert und nach Russland gebracht  Die Firma  Krupp-Gruson wurde in  „Ernst Thälmann“ umbenannt. 1969 entstand daraus das „VEB Schwermaschinenkombinat Ernst Thälmann“ – Markenzeichen „SKET“, mit über 30 000 Mitarbeitern. Nach der Wende ist das Kombinat durch die „Treuhand“ aufgeteilt und verkauft worden. Als ich zum ersten Mal 1990 in Magdeburg dort zu Gesprächen im Bereich Walzwerksbau gewesen bin, war in vielen Büros noch die alte „Krupp–Einrichtung“ vorhanden. Viele Nachfolgefirmen  der VEB  in Magdeburg haben  noch das Logo „SKET“ behalten. So hat der Name des Kommunistenführers Ernst Thälmann die Zeiten überstanden.

03.04.2017 Günter Napierala, Altenessener Geschichtskreis

 

 

Stolpersteine in Altenessen.

Die Stolpersteine erinnern an Mitbürger, die wegen ihrer Religionszugehörigkeit und Abstammung, ihrer politischen Überzeugung oder ihrer Lebensweise von den Nationalsozialisten verfolgt wurden und umgebracht worden sind. 
Der Kölner Künstler Günter Demnig hat 1992 mit dem Projekt „Stolpersteine“ begonnen als Erinnerung zum 50. Jahrestag der Deportation von 1000  Sinti und Roma aus dem Messelager in Köln. Daraus ist in den 1995-er Jahren eine deutschlandweite Aktion entstanden. Heute werden diese Stolpersteine in vielen europäischen Ländern verlegt. In Deutschland waren es bis Ende 2016 ca. 53 000 Steine.
Die Steine sind an der Oberseite mit einer Messingtafel überzogen, in die Namen und Daten von Hand eingeschlagen sind. Sie werden an Orte im Boden verlegt, wo die letzte bekannte Wohnung der Verfolgten war. Die Vorschläge zum Verlegen der Stolpersteine kommen oft von überlebenden Verwandten, von Paten mit persönlichen Anliegen, von Politikern oder Ortsparlamenten. Jeder Vorschlag wird eingehend geprüft.
In Altenessen sind an sieben Orten für 11 Mitbürger Stolpersteine verlegt worden.

Karl Hoffmann, Heßlerstraße 242
Der erste Stein in Altenessen ist am 15. 11. 2005 verlegt worden.


Karl Hoffmann ist am 7. Januar 1903 geboren. Er gehörte der KPD–Organisation „Auf der Heide“ an. Es war die Gegend längs des Rhein-Herne-Kanals bis nach Gelsenkirchen. Hier wohnten viele Arbeiter, die sich wegen der hohen Arbeitslosigkeit der kommunistischen Partei anschlossen. Als deren Zentrum galt „die rote Heßlerstraße in Altenessen“.  Auf einem Grundstück an der Ecke Heßlerstraße – Emscherstraße hatten sich Arbeitslose aus nicht mehr gebrauchten Balken Holzhäuser gebaut für einen Treffpunkt. Kaplan Karl Klinkhammer von St. Johann besuchte sie und hörte sich ihre Probleme an. Seine Solidarität galt allen, auch den Kommunisten. An dieser Stelle steht heute die Katholische Kirche Herz Mariä.  Im Juni 1932 gab es in Essen 92 000 Arbeitslose. Zwischen den Nazis und den Kommunisten gab es immer wieder Zusammenstöße. Die „Roten“ waren bei den Nazis auf einer „Schwarzen Liste“. Nach der Machtergreifung 1933 wurden viele verfolgt und verhaftet.

Karl Hoffmann wurde Ende Januar 1934 verhaftet. Am 21.12.1934 wurde er wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ zu acht Jahren Zuchthaus verurteilt und in Münster inhaftiert. Dort ist er am 14.3.1935 zu Tode gekommen. Seiner Frau hatte man als Todesursache „Selbstmord durch Erhängen“ mitgeteilt. Die Leiche wurde zur Beerdigung freigegeben und im Sarg durch den Bestatter nach Altenessen zur Heßlerstraße überführt. Der Genosse Ernst Vollmer sagte später, als er den Toten gesehen hatte: „Der hat sich nicht aufgehängt, den haben die ungebracht“. Der Tote war am ganzen Körper grün und blau geschlagen!  //  Hoffmann war Schwiegersohn der ersten weiblichen Stadtverordneten von 1919, Frau Emma Leder aus der Emscherstraße, seine Frau Anna wohnte bis in die 90er Jahre auf der Heßlerstraße. Sie ist kurz vor ihrem 100. Geburtstag gestorben.
Die Beerdigung  auf dem Nordfriedhof war am 18. März nachmittags. Die „Heidebewohner“ hatten viele Kränze gestiftet – alle ohne Namen. Die „Mundpropaganda“ lief durch den ganzen Essener Norden, und so nahmen etwa 1000 Personen – Männer und Frauen –  an der Beerdigung teil. Überall standen Polizisten und überwachten die Trauerfeier am Grab. Jegliches Sprechen und Singen war untersagt.
Am 20. März sind 18 Altenessener – elf Männer und sieben Frauen – die an der Beerdigung teilgenommen hatten, verhaftet worden. Acht von ihnen wurden später wieder freigelassen, zehn kamen für längere Zeit in „Schutzhaft“ in das KZ Esterwegen. Die Begründung war: Die Beerdigung hätte den Charakter eines kommunistischen Demonstrationszugs gehabt

Literatur und Quellen:
Ernst Schmidt,  Lichter in der Finsternis, Band 1 / Seite 77 /                                                                                                                        „Die Beerdigung Karl Hoffmanns, eine Demonstration gegen seine Mörder.“
Hans-Josef Steinberg, Widerstand und Verfolgung in Essen, 1933 – 1945, Seite 118
Bruno Kamann, Carl Klinkhammer, 1903 – 1997, Seite 51

 

Familie Löwenstein, Altenessener Straße 408 - 412
Die Steine wurden am 7.7.2006 verlegt.


Die Familie Löwenstein kam 1900 nach Altenessen. Philip Löwenstein und seine Frau Dina stammten aus Rhede am Niederrhein. Sie wohnten ab 1887 in Köln. Dort wurde 1887 der Sohn Bertold geboren. Philip Löwenstein war Handlungsreisender, das brachte einen häufigen Umzug mit sich.

Am 1.Februar 1907 kauften sie das Haus „Essen-Horster-Straße 408 – 412“, und eröffneten das Haushaltwarengeschäft „ Gebrüder Löwenstein“. Die Firma war sehr erfolgreich und hatte in Altenessen ein gutes Ansehen. Der Sohn Bertold war als Handlungsgehilfe tätig. 1923 heiratete er Martha Kaufmann. 1924 wurde die Tochter Ilse in Düsseldorf geboren. Ab 1927 wohnte die ganze Familie wieder auf der  Altenessener Straße  im Haus 412, das in der Zwischenzeit auf Amalie Löwenstein, einer Schwester von Bertold, übertragen worden ist. Unter der NS Herrschaft sind die Lebensumstände für Juden zunehmend schlechter geworden. 1936 beantragte Bertold Löwenstein einen Auslandspass, den er auch bekam. In der Pogromnacht vom 9. zum 10. November 1938 wurden Synagogen und jüdische Geschäfte geplündert und verbrannt.  Bertold Löwenstein wurde verhaftet und als Schutzhäftling in das KZ Dachau gebracht.  Auf Antrag seiner Frau ist er dann wieder freigekommen, um die „Arisierung“ der Häuser in Altenessen durchzuführen. Die Familie hatte ein Einreise-Visum für Kolumbien. Sie blieben jedoch in Deutschland und waren 1941 noch immer in Essen. Am 22. April 1942 wurden Bertold Löwenstein, seine Frau Martha und die Tochter Ilse in Güterwagen nach Düsseldorf und von dort mit der Eisenbahn nach Izbica / Polen deportiert. Dort fanden alle drei den Tod. Als Todestag ist der 8. Mai 1945 für viele durch die Nazis umgebrachten Juden festgelegt worden. Amalie „Sara“ Löwenstein wurde 1942 nach Theresienstadt und von dort nach Auschwitz transportiert. Dort verliert sich ihre Spur.
Es ist heute nicht mehr zu ermitteln, warum die Familie Löwenstein trotz eines Einreise-Visums nach Kolumbien Deutschland nicht verlassen hat.

Literatur und Quellen: Hans-Jürgen Schreiber „Die Familie Löwenstein aus Altenessen“.                                                                 Veröffentlicht in  „Das Münster am Hellweg“ 43. Jahrgang 1990, Seiten 117 - 121


Geschwister Selma Steinberg und Henriette Kaufmann Altenessener Straße 434
Die Steine wurden am 7.7.2007 verlegt.

1902 gründeten die Schwestern Selma und Henriette Kaufmann auf der Essen-Horster-Straße 434 ein Manufakturengeschäft. Sie entstammten einer alten rheinischen Familie aus Schiefbahn.  Die Eltern starben früh, die acht Kinder  wurden bei verschiedenen Verwandten untergebracht. Selma und Henriette erhielten eine kaufmännische Ausbildung. Bei ihrer jahrelangen Tätigkeit als Kaufmännische  Angestellte hatten sie soviel Geld gespart, dass sie ein Geschäft am Karlsplatz eröffnen konnten. Mit ihrem guten Service erwarben sie sich schnell Anerkennung in Altenessen. Bei ihnen kaufte man gerne ein.
In Bochum lernte Selma den Getreidegroßhändler Steinberg kennen. Der Stammbaum der  Familie „Steinberg“ lässt sich bis in das frühe 17. Jahrhundert in die Gegend von Hannover zurückverfolgen.
1905 heirateten Selma Kaufmann und Alex Steinberg. Zwischen 1908 und 1911 kamen drei Kinder zur Welt. Die Familie wohnte mit der Schwester Henriette zusammen. Nachdem das Geschäft Kaufmann einige Jahre bestand, konnte man ein freies Grundstück  gegenüber an der Essen-Horster-Straße kaufen und ein Haus bauen. Die Kinder besuchten die höheren Schulen in Essen und begannen nach dem Abitur mit ihrem Studium. Nach der „Machtergreifung“ 1933 begann der Niedergang für die Jüdischen Geschäfte in Deutschland. Die Parole „Kauft nicht bei Juden“ hatte auch erhebliche Auswirkungen in Altenessen. Ein großer Teil der Altenessener hatte Angst vor den SA-Männern, so blieben viele Kunden weg! Von den wenigen Kunden, die noch kamen, konnte die Familie nicht mehr leben. So musste das Geschäft 1936 verkauft werden. Nach der Pogromnacht vom 9. auf den 10.11.1938 sind Angehörige der Familie in „Schutzhaft“ genommen worden. Den Kindern gelang es noch auszuwandern: Marianne Steinberg nach Amerika, Kurt Steinberg nach Palästina. Selma und Hermann Steinberg und Henriette Kaufmann mussten aus der Wohnung in Altenessen ausziehen. Sie wohnten an verschiedenen Orten in Essen und Köln. Die Kinder erreichten es noch, dass die Eltern 1941 ein Einreisevisum nach Kuba bekamen. Doch dazu kam es nicht mehr. Sie erhielten keine Ausreisegenehmigung mehr. Am 16.Juni 1942 sind sie aus einem Sammellager in Köln - Müngersdorf nach Theresienstadt deportiert worden.  Nach dem 19. September 1942 haben die Kinder nichts mehr von ihnen gehört.

Literatur und Quellen: Hans-Jürgen Schreiber „Die Familie Steinberg /Kaufmann“.                                                                     Veröffentlicht in  „Das Münster am Hellweg“ 46. Jahrgang 1993, Seiten 76 – 90

Peter Balnus, Vogelheimer Straße 50 
Der Stein wurde am 28.02.2014 verlegt.

Peter Balnus ist am 24.10.1904 in Altenessen geboren.  Nach der Hochzeit 1937 wohnte er mit seiner Frau auf der Vogelheimer Straße 50. Er ist in Essen und Münster als Lehrer ausgebildet worden, bekam aber wegen seiner ablehnenden Haltung zum Nationalsozialismus keine Anstellung. Erst 1938 kam er beim Katholischen Kirchensteueramt unter. Am 15. April 1940 wurde er eingezogen. Nach der Grundausbildung ist er zu einer Luftwaffenkompanie nach Belgien versetzt worden. Am 3. November 1942 wurde er verhaftet. Ein Flame hatte ihn und sechs andere Soldaten bei der SS angezeigt, weil sie abwertende Äußerungen über
NS-Regierungsmitglieder gemacht hatten und auch die Angaben über Verluste der Wehrmacht bezweifelt hatten. Sie wurden am 12. Januar 1943 vor einem Feldgericht wegen Wehrkraftzersetzung verurteilt. Peter Balnus wurde zu drei Jahren Gefängnis verurteilt. Nach vielen Gefängnisaufenthalten wurde auf sein Gesuch hin die Strafe am 18. September 1943 ausgesetzt. Er wurde zur „Frontbewährung“ einer Strafkompanie zugeteilt. In dieser Einheit waren nur Soldaten, die aus politischen Gründen verurteilt worden sind. Sie wurden südlich von Libau, Kurland (Baltikum) unbewaffnet zum Bau von Gefechtsstellungen eingesetzt. In dieser Gegend häuften sich Partisanenüberfälle, bei denen Peter Balnus am 13. Februar 1945 ums Leben kam.
Peter Balnus war überzeugter Christ, Mitglied im Kath. Gesellenverein und ein absoluter Gegner des Nationalsozialismus. Er gehörte vor 1933 der Zentrumspartei an. Pate dieses Stolpersteins ist Norbert Köring aus Altenessen–Süd.

Literatur und Quellen: Wladislaus Przybilla – Lesebuchkreis Altenessen 2000 –                                                                                    „Altenessen unter dem Hakenkreuz“ Seiten 58 – 60.
Ernst Schmidt, „Lichter in der Finsternis“ Band 3, Seiten 168 - 170

Hermann Hammacher,  Großenbruchstraße 30
Der Stein wurde am 28.02.2014 verlegt.
 
Hermann Hammacher wurde am 29. Januar 1886 in Süchteln am Niederrhein geboren. Die Familie zog später nach Krefeld. Nach dem Schulbesuch machte er eine Ausbildung zum Graveur. Schon in jungen Jahren war er gewerkschaftlich tätig und trat 1905 mit 19 Jahren der SPD bei. Im November 1905 heiratete er. Noch vor dem ersten Weltkrieg zogen sie nach Frankenberg in die Nähe von Chemnitz. Sie bekamen vier Kinder, von denen zwei nur wenige Tage überlebten. Die Familie zog nach Essen, der Grund ist unbekannt Als der 1. Weltkrieg ausbrach, wurde Hermann Hammacher sofort eingezogen. Das sinnlose und blutige Sterben an den Fronten machten ihn zu einem überzeugten Pazifisten. Ein Foto zeigt ihn am Soldatengrab seines in Flandern gefallenen Bruders mit einem schlichten Holzkreuz. Das war kein „Heldentod“ sondern sinnloses Sterben! Das politische Wirken Hammachers in Essen begann sofort nach Ende des Krieges. Er organisierte Prostversammlungen gegen die Absetzung von Arbeiterräten und die Lebensmittelwucherpreise. Seine politische Tätigkeit ist eng verbunden mit dem 1924 gegründeten Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold, einem Bündnis zur Verteidigung der Weimarer Republik. Als Chefredakteur der sozialdemokratischen „Essener-Arbeiter-Zeitung“ - der späteren „Volkswacht, verfasste er viele Artikel gegen die Feinde der Republik. 16 Jahre nach seiner Tochter Wilhelmine wurde noch der Sohn Heinz geboren. 1933 wohnten sie in der Großenbruchstraße 30. Die Machtübernahme durch die NSDAP war am 30. Januar 1933. Sechs Wochen später, am 12. März 1933, wurde er in „Schutzhaft“ genommen, aus der er im Mai durch ein Versehen der Behörden wieder frei kam. Er verbarg sich dann in der Stadt, es fanden Hausdurchsuchungen statt. Pfingsten 1933 emigrierte er in die Niederlande. Die Familie wurde aus der Wohnung in der Großenbruchstraße vertrieben. Sie wohnten an verschiedenen Stellen in  Essen. Seine Frau wurde mehrmals  zu Vernehmungen vorgeladen. Sie war schwer herzkrank. Nach einer erneuten Vorladung erlitt sie einen Herzanfall, den sie nicht überlebte. Sie starb im Mai 1938 in den Städtischen Krankenanstalten. Über die politische Arbeit von Hammacher in den Niederlanden ist nur wenig bekannt. Am 10 Mai 1940 marschierte die deutsche Wehrmacht in Holland ein. Hammacher hielt sich in Amsterdam auf. Fünf Tage später, am 14.Mai 1940, verlor er im Alter von 54 Jahren sein Leben. Die genauen Umstände konnten nie geklärt werden. Es ist möglich, dass er Selbstmord begangen hat, um den Nazis  nicht in die Hände zu fallen. Das war leider kein Einzelfall!

Literatur und Quellen:
Ernst Schmidt, „Lichter in der Finsternis“ Band 3, Seiten 172 – 13                                                                                                          Tod in der Emigration – Reichsbannerführer und Volkswacht-Redakteur Hermann Hamacher

 

Julius Warmann, Rahmstraße 141 
Der Stein wurde am 28.02.2014 auf Anregung der BV V verlegt

Julius Warmann ist am 13.6.1913 geboren, bei seinem Tod am 4.7.1932 war er grade 19 Jahre alt.  Auf der Huyssenallee hatten Nationalsozialisten den arbeitslosen Schlosser überfallen und erstochen. Die Essener Polizei hat diesen Mord nie untersucht und den Fall heruntergespielt. Die „Essener Volkszeitung“ vom Katholischen Zentrum sprach in der Ausgabe vom 6. Juli 1932 von „höchst merkwürdigen Vorgängen“ und bezweifelte den Willen der Polizei zur Aufklärung dieses Mordes. Noch deutlicher wurde die Sozialdemokratische „Volkswacht“ am 8. Juli 1932: Kommunistische Kundgebungen werden von der Polizei überwacht, aber „Hitlerbanden“ werden bei ihren ungesetzlichen Handlungen sehr „milde“ behandelt. Dabei wird auf die Ermordung von Julius Warmann hingewiesen. Die Mörderbanden sind nach dieser „Heldentat“ mit Sang und Klang weitermarschiert. Der ganze Vorfall zeigt, dass schon vor der Machtergreifung am 30.Januar 1933 der Rechtsstaat zum Teil nicht mehr vorhanden war.

Literatur und Quellen:
Ernst Schmidt, „Lichter in der Finsternis“ Band 2, Seite 92
„Der Überfall auf der Huyssenallee“ - Ausschnitt

Franz Kraus, Feldmannshof 2
Der Stein wurde am 28.02.2014 verlegt

Franz Kraus ist am 28. Juli 1919 geboren. Er war Arbeiter und wohnte in Altenessen im Feldmannshof 2, einer geschlossenen Wohnsiedlung in der Nähe von Zeche Anna. Aus verschiedenen Unterlagen geht hervor, dass ihn ein Luftwaffengericht wegen Wehrdienstsabotage aus der Wehrmacht ausgeschlossen hat. Konkrete Gründe sind aus den Unterlagen nicht mehr ersichtlich. Im Februar 1941 ist er in das KZ Sachsenhausen eingeliefert worden. Weil er keine Wehrmachtsuniform mehr tragen durfte, wurde seine Mutter von der Gestapo aufgefordert, Zivilkleidung zu schicken. Franz Kraus war erst 23 Jahre alt, als er am 12. Januar 1942 im Konzentrationslager Natzweiler im Elsass sein Leben verlor.

Literatur und Quellen:
Ernst Schmidt, „Lichter in der Finsternis“ Band 3, Seiten 172 – 173
Der Fall des Franz Kraus

Dank an Hans-Jürgen Schreiber und Andreas Koerner, die uns die Literaturstellen genannt haben.
Fotos der Stolperstein-Verlegung sind aus der Sammlung Werner Bussick

07.03. 2018,  Altenessener Geschichtskreis, Werner Bussick und Günter Napierala.

 

 

 

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